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Ortsgeschichte

von Rolf Pätschinsky

Gern und oft hat es die Laderer Singgruppe unter Ernst Löw gesungen: 

Mia senn die Laderer und hamm scho viel daläbt
und worn mit fuchzehn Johr scho in der Fremd,
Mia hamm die Sprüch gariss´n
und ham die Leut beschiss´n
und wenn´s zum Zahlen ging,
do worn ma fremd.

Na, na des tun man et –
Aus Lada gen man et,
bis dass der Schneidersmo uns nausbugsiert.

Mia senn die Laderer und hamm scho viel daläbt
Und hamm vo eh und jeh as singa gern.
Mia ham die Liedla gesunga,
dass Berg und Tal hamm klunga
und senn bekannt deswecht nah und fern.
Na, na……

Mia senn die Laderer und hamm scho viel daläbt
Mia hamm scho gspeist in Wien und in Paris.
Doch wenn ma Bletsch´n ess´n ham mia des längst vergess´n,
weil Laderer Bletsch a Leckerbiss´n ist.
Na, na…

Mia senn die Laderer und hamm scho viel daläbt
Und senn am liebst´n do in unnerm Tol.
Denn mia hamm imma gfunna,
ihr Leut glabt uns des Wunna,
es gibt a Laderer Tol blus a anzig´s Mol.
Na, na….

Fast drei Jahrzehnte waren sie die Repräsentanten von Unterleinleiter und haben mit ihrem original fränkischen Liedgut die musikalische Palette Frankens bereichert.  Wie bereits Einiges aus der „Neuzeit“, so gehören auch die „Laderer“ inzwischen der Historie an. Ein weiteres Relikt der „guten alten Zeit“ sind die klassischen Dorfwirtshäuser. Selbst Unterleinleiter wurde vom Wirtshaussterben nicht verschont. Ebenso gab es einen Einbruch im Tourismus. Grn kamen früher die Berliner durch die „Zone“ nach Franken in die Sommerfrische. Sie fanden in Unterleinleiter in Wirtshäusern und bei privaten Zimmervermietern stets eine „billige“ Bleibe. Mit dem Wandel hin zum Komforturlaub und der Fernreisewelle sank der Fremdenverkehr auf Null. Bundesweit bekannt wurde der Ort  ab  den 50er-Jahren durch das Kurheim der DAK. Zahlreiche Jugendliche aus der ganzen Bundespublik kamen für einen mehrwöchigen Erholungsaufenthalt. Die „Nachkriegszeit“ dauerte von 1952/53 bis 1973 im alten Heim am Störnhofer Berg. Mit dem Neubau ab 1975 und einem zeitgemäßen Kurkonzept war es vorbei mit „Pfunde machen“. Fitnesstraining gepaart mit medizinischen Bäderanwendungen (heute als Wellness geläufig) gab es dann bis 1991. Die plötzliche Schließung des Hauses traf den Ort bis ins Mark. Waren doch zahlreiche und sicher geglaubte Arbeitsplätze über Nacht verloren. Nach Leerstand, Verkauf, einem neuen privaten Klinikversuch und weiterem Verkauf  hat sich ein international anerkanntes Forschungs- und Prüflabor nach notwendigen Umbaumaßnahmen dort niedergelassen.

Legt man die  Anzahl 20 der örtlichen Vereine/Verbände/Gruppen auf die Bevölkerungszahl um, so kommt man  zu einem stattlichen Ergebnis. Hochgerechnet besitzt nahezu jeder Bürger mindestens eine Vereinsmitgliedschaft. Der Sportverein – Spielvereinigung Dürrbrunn-Unterleinleiter - führt als mitgliederstärkste Gruppierung das Feld an. Neben dem Kernsport Fußball existieren weitere Sportgruppen.  Zwerglasturnen, Damengymnastik, das Pendant „Gruftisport“, Tischtennis, Volleyball und mehrere Tanzgruppen. Das gemeindliche Vereinsleben bereichern die Blaskapelle Unterleinleiter-Dürrbrunn. zwei Feuerwehren, Dartclub, Fränkische Schweiz Verein, Schützen, VdK, Vogel- und Geflügelzucht, Obst- und Gartenbauverein, Bletsch´n Bühna, Kunst- u. Musik im Schlosspark Unterleinleiter, kath. Frauenbund, Dürrbrunner Landfrauen. Dazu noch unterschiedliche Gruppen v.  Instrumental- und Gesang beider Konfessionen.

Das Leben in Unterleinleiter bewegt sich in normalen Bahnen.  

Die in den Jahren 1999/2001 durchgeführte Hochwasserfreilegung erbrachte einige positive Veränderungen im Ortsbild. So konnte die einzige Zufahrt über die Leinleiter verbessert und  verkehrsgünstiger verlegt werden. Am bisherigen Standort befindet sich jetzt ein moderner Fußgängersteg über die Leinleiter. Im Bachbett wurde der Flussverlauf vom Ortseingang bis zum Ende neu  reguliert. Der Hochwasserschutz im Ortsbereich überstand auch recht bald mit Erfolg seinen Härtetest. Am umgestalteten Rathausplatz steht zur Erinnerung an diese Maßnahme eine moderne Metallplastik. Wellenförmig wird hier die ungebändigte Wasserkraft und der nachfolgend ruhige Abfluss treffend dargestellt.

Drei soziale Einrichtungen kann der Ort vorweisen. Am Störnhofer Berg die Hoecke-Lauermann-Stiftung "Sonnenhaus" - ein Behindertenwohnheim für Erwachsene. Im Ortszentrum die "jule" - Junge Lebensgemeinschaft - und Richtung Dürrbrunn am Ortsrand den "Lindenhof" eine Pflegeeinrichtung mit Modellcharakter für Demenzkranke. 

Ein beliebter Kommunikationstreff ist zu Dreiviertel des Jahres der ortsnahe Friedhofsbereich am Fuße des Schlossberges. Ein offener Seniorenkreis trifft sich erfolgreich vierzehntägig zum Karteln und Erzählen im Sportheim. Das Freizeit- bzw. Sportangebot für die Jugend liegt weitgehend in den Händen des Sportvereins. Mit dem Schützenfest beginnt der Start zur Fest- und Feiersaison im Freien. Es folgt das Johannisfeuer des Obst u. Gartenbauvereins. Die Peter- u. Paul-Kerwa vereint Einheimische und Gäste vier Tage im großen Festzelt. Eine kleinere Ausgabe in eigener Umgebung kommt an Bartholomäuskirchweih der evangelischen Kirche im August dazu. Den kulturellen Bereich deckt die Bletsch´Bühna mit ihren beliebten Mundartaufführungen im Frühjahr ab. Von Mitte Juni bis Anfang August veranstaltet der „Schlosssparkverein“ bereits seit neun Jahren im weitläufigen Parkgelände an den Wochenenden Klassikkonzerte. In der stillen Zeit des Advents vom 1.- 23. Dezember vereint das abendliche „Adventsbetthupferl“ im evangelischen Gemeindehaus für  rund 30 Minuten bei Tee, Gebäck, Liedern, Gedichten und Erzählungen alle Altersgruppen und Konfessionen.

Abschließend könnte eine oft gestellte Frage „Was ist ein Bletsch?“  ihre Antwort finden. Doch lieber bleibt es ein Laderer Geheimnis. Hier sei nur so viel verraten:

Man muss schon rechtzeitig zur Stelle sein, wenn sich beim Ende des Brotbackens das Ofenloch öffnet, um einmal diese Köstlichkeit ofenfrisch genießen zu können.

Das abschließende Gedicht von Rudolf Löw trifft den Nagel auf den Kopf:

Bletschn – Baggas – Bonnakern

An Bletsch – an Baggas – Bonnakern,
die ess-i va mein Leh(b)m su gern.

An Bletsch, wenn-a grod ferti iss
mit Solz und Zwiff´l drauf – ganz gwieß -
er dörfat zugoa wârm nu sââ.
Als Spitznôma va unnra Gmââ
is längst da „Lâdra Bletsch“ bakannt.
Mia(r) senn die „Bletsch´n“ halt im Land
 (A jedra waß wu-her – wôrum -
drümm is da Nôma gôr net dumm)

Aus Erdöpf´l – du schö gut grie(b)m
Und nochat nei da Pfanna ghiem,
davor – schô a „Schwarz-Fleisch“ neigschnitzt,
hob ich ban Ess´n jetzmol gschwitzt
A Franz´n-Baggers – is mei Leh(b)m,
den könnats alla Tooch fei geh(b)m.
Schö rausback`ng – wora Freid –
Wu kriegst a su – a Kost nu heit?

A gräuchats Fleisch – und Bonnakern –
Do konn`san richti glustrat wern!
Schö sähmi – und a Klüß neibrockt,
hob ich nie an Essn bockt.
Des is wos gsund`s – merkts ihr Leut!
Va su a Ess`n gieh-ni weit.

Rudolf Löw, Unterleinleiter – 2006
Als Titelgedicht für eine Rezeptesammlung
genannt:  Bletschn – Baggers - Bonnakern.
-Vergessenes aus alter Zeit-

 


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